"Man sollte sich nicht zu sehr auf die aktuelle Ranglistenposition der Spieler fokussieren"

Noch zwei Monate bis der erste Ball bei den Koblenz Open geschlagen wird. Vom 15. – 22. Januar werden bei dem ATP Challenger 43.000 Euro Preisgeld ausgespielt. Die Koblenz Open werden in der ersten Woche der parallel stattfindenden Australian Open das einzige ATP Turnier weltweit sein. Wir sprachen nach der Pressekonferenz zum Turnier mit Heiko Hampl, Turnierdirektor und Veranstalter.
Wie setzt sich ein Teilnehmerfeld eines Challengers eigentlich zusammen?
Wir laufen mit den Koblenz Open parallel zur ersten Woche eines Grand Slam Turniers, dessen Meldefrist 6 Wochen vor Turnierbeginn endet. Bei uns sind es drei Wochen. Die besten 104 Spieler qualifizieren sich eigentlich für die Australian Open. Da es aber immer Spieler mit einem protected Ranking gibt, die nach einer längeren Verletzung oder Erkrankung zurückkommen, reicht manchmal auch nur Platz 94 zur Startberechtigung im Hauptfeld. Alle anderen Spieler können bei uns antreten und je nachdem, wie viele Punkte sie in den drei Wochen bis zu unserer Meldefrist gesammelt bzw. verloren haben, stehen sie eben noch etwas besser oder schlechter im ATP Ranking.
 
Das bedeutet für die Koblenz Open?
Wir werden ein super Teilnehmerfeld haben, da wir das einzige ATP Turnier in der ersten Woche der Australian Open sind. 128 Spieler treten dort in der Qualifikation an. Sehr viele dieser Teilnehmer werden auch bei uns gemeldet haben. 16 schaffen dann nach drei erfolgreich überstandenen Runden den Sprung in das Hauptfeld. Wer also letztlich zu uns kommt, werden wir verbindlich erst in der Woche vor den Koblenz Open wissen.
Für Koblenz sind nach der Meldefrist die besten 22 Spieler für das Hauptfeld qualifiziert. 4 Wildcards werden vergeben, 4 Spieler kommen aus der Qualifikation und 2 dürften eine Special Exampt in Anspruch nehmen, wenn sie bei einem Challenger in der Woche vor Koblenz das Halbfinale erreicht haben, das wären in unserem Fall die Challenger in Canberra und Bangkok.
 
Auf wen freuen Sie sich denn besonders?
Das Salz in der Suppe sind für mich die Nachwuchsspieler. Vor Jahren hat ja kaum ein 18-jähriger ein Challenger Finale erreicht. Aber das Niveau der Ausbildung, gerade der athletischen, hat sich enorm verbessert. So werden wir viele junge Spieler sehen, deren aktuelle Spielstärke für die Top100 des ATP Rankings ausreichen würde. Doch das ATP Ranking ist eben eine Ganzjahresrangliste und daher zählt im Tennis vor allem die Konstanz. Der Weg nach oben ist mühsam. Ich kann nur empfehlen nicht so auf die Ranglistenposition zu schauen. Es ist so eng geworden, weil die Leistungsdichte stark zugenommen hat. Letzte Woche gab es 6 Challenger bei denen vier Mal ein ungesetzter Spieler den Titel geholt hat. Das sagt doch einiges aus.
 
Was bedeutet ein Sieg bei einem Challenger für den Spieler?
Wir veranstalten mit den Marburg Open ja noch ein weiteres Challenger und der diesjährige Sieger gibt ein gutes Beispiel ab. Der Tscheche Jan Satral kam nach einer bis dahin völlig verkorksten Saison als Nummer 272 des ATP Rankings nach Marburg. Im gesamten ersten Halbjahr hatte er bescheidene 50 Punkte geholt und reihenweise Erstrundenniederlagen einstecken müssen. Dann gewinnt er Marburg, kassiert auf einen Schlag 90 Punkte. Dann qualifiziert er sich für Hamburg und verliert nur knapp in drei Sätzen gegen Nicoals Almagro und qualifiziert sich außerdem für die US Open, bei denen er die zweite Runde erreicht. Dort verliert er dann 5:7, 4:6 und 3:6 gegen einen gewissen Gael Monfils. In den fünf Monaten seit den Marburg Open hat er 321 Punkte erspielt und hat jetzt eben die komfortable Situation kaum Punkte bis Juli 2017 verteidigen zu müssen. Diese Geschichten werden fortlaufend geschrieben und machen die ATP Tour so spannend.
 
Was kann ein Challenger für die Tennisregion in Koblenz leisten?
Mir ist es ganz wichtig, dass auch die Verbände und Vereine einen Nutzen aus dem Turnier ziehen. Nur dann haben wir unsere Hausaufgaben richtig gemacht. Wir werden Vereine im Turniermagazin vorstellen und hoffen natürlich, dass bei vielen Besuchern die Tennislust geweckt wird und man sich nach Angeboten in den Vereinen und Tennisschulen erkundigt. Die Verbände profitieren von den Wildcards, so dass ihre Spieler erste Erfahrungen auf der Challenger Ebene sammeln können. Es soll ein großes Miteinander sein. Denn neben der ganzen Arbeit, darf auch der Spaßfaktor nicht zu kurz kommen.
 
Sind Sie denn mit dem Stand der Planungen zufrieden?
Wir liegen im Plan. Wenn man bedenkt, dass wir mit Zusage der ATP nur 5 Monate Zeit hatten,  das Sponsoring zu betreiben, war das schon sehr knapp. Umso erfreuter sind wir mit der Sparkasse Koblenz und Lotto Rheinland-Pfalz zwei Hauptsponsoren für die erste Austragung gewonnen zu haben. Nun geht es noch darum die Ballkinder und Linienrichter zu akquirieren und den Kartenvorverkauf bestmöglich anzukurbeln, denn wir wollen natürlich vor ausverkauftem Haus das Endspielwochenende erleben. Da sind wir schon ehrgeizig. Ich kann mich nur bei allen bedanken, die bisher so offen dem Projekt gegenüber standen. Ganz gleich ob Politik, Institution oder Wirtschaft. Es wird versucht zu helfen und das gibt einem natürlich ein gutes Gefühl.
 
Was trauen Sie Benjamin Hassan, Jan Choinski und Florian Broska zu, den drei heimischen Wildcard-Spielern?
Es sind drei völlig verschiedene Typen, die aber Potential mitbringen eine Überraschung zu schaffen. Benny muss es einfach schaffen die Balance zu finden, damit sein teilweise begeisterndes Spiel keine brotlose Kunst wird. Florian ist sehr fokussiert und ruhig. Wenn man ihm die Chance gibt mit der Vorhand Druck zu machen, wird es für viele Gegner eng und Jan muss sich einfach Selbstvertrauen holen, da diese Saison nicht nach seinen Wünschen gelaufen ist. Alle werden Außenseiter in ihren Matches sein, aber wenn sie es schaffen das Drumherum auszublenden und die positive Energie, die Ihnen die Wildcard hoffentlich gibt, auf den Court zu transportieren, könnte es durchaus eine Überraschung geben.

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