Cedric Marcel Stebe gibt den Sisyphos

Das war Cedric als er sein letztes Comeback startete in 2017. In Koblenz reichte es damals zum Viertelfinale.
Das war Cedric als er sein letztes Comeback startete in 2017. In Koblenz reichte es damals zum Viertelfinale.

Heiko: Mit dir möchte man nicht tauschen, Cedric. Zurück in den TOP100 und schon wieder für fast ein Jahr verletzt. Deine Karriere gleicht einer Person der griechischen Mythologie: „Und weiter sah ich den Sisyphos in gewaltigen Schmerzen: wie er mit beiden Armen einen Felsblock, einen ungeheuren, fortschaffen wollte. Ja, und mit Händen und Füßen stemmend, stieß er den Block hinauf auf einen Hügel. Doch wenn er ihn über die Kuppe werfen wollte, so drehte ihn das Übergewicht zurück: von neuem rollte dann der Block, der schamlose, ins Feld hinunter. Er aber stieß ihn immer wieder zurück, sich anspannend, und es rann der Schweiß ihm von den Gliedern, und der Staub erhob sich über sein Haupt hinaus.“ Was hast du verbrochen Cedric, dass du immer wieder von vorne anfangen musst?
Cedric: Ich wüsste auch gerne was ich verbrochen habe, leider fällt mir kein Grund ein. Manchmal wäre es schön zu wissen denn so fragt man sich ja auch was da los ist.

Heiko: Wenn man so oft verletzt war, macht einmal mehr keinen Unterschied oder erst recht?
Cedric: Einen Unterschied macht es leider trotzdem. Klar weiss man, dass es möglich ist zurück zukommen wenn man fit ist. Leider ist und bleibt es nicht einfach such zurück zu kämpfen. Deswegen wird es auch mit jedem mal schwieriger.

 

Wie geht es dir denn jetzt, du bist schon wieder im leichten Training?
Cedric: Soweit geht es mir gut. Trainiere auch schon wieder die Rückhand, aber noch nicht so, dass ich sagen kann ich bin schon wieder voll im Training. Handgelenk ausgenommen kann ich alles tun.

Heiko: Ist Tennisprofi rückblickend immer noch der Traumberuf oder verfluchst du ihn inzwischen auch ab und an mal?
Cedric: Tennis ist und bleibt ein Traumberuf für mich. Ich habe so viele schöne Erlebnisse gehabt bis jetzt. Diese möchte ich nicht missen. Und wer weiß, wie viele noch kommen.

Heiko: Du hast ein protected Ranking, das du nach deiner Rekonvaleszenz 12 Mal einsetzen darfst. Immerhin ist das die 95 auf der ATP Weltrangliste. Hättest du ohne so ein PR den Weg zurück auf die Tour noch einmal gewagt?
Cedric: Schwierige Frage, das hätte ich mir genau überlegen müssen. Denke aber schon. Schließlich bin ich ja noch nicht so alt und habe ja noch einige gute Jahre vor mir.

Heiko: Hast du dir einen privaten Clown für zu Hause angestellt oder welche Personen und Gedanken beflügeln dich?
Einen Clown habe ich nicht zu Hause. Aber Freundin und Familie geben mir kraft in der Zeit. Man versucht natürlich in der Zeit nicht zu viel an Tennis zu denken.

Heiko: Nun zu schönen Themen: Welche Musik hörst du am Liebsten, welchen Film hast du am häufigsten gesehen und welches Buch wurde von dir verschlungen?
Cedric: Ich höre eigentlich alle Musikrichtungen außer Hip Hop und Heavy Metal. Besonders häufig allerdings Electronic Music. Bücher habe ich schon länger nicht mehr gelesen. Spiele gerne Playstation und verabrede mich mit Freunden. Das lenkt ab.

Heiko: Wenn du drei Wünsche frei hättest, wie würden sie lauten?
Cedric: Meine 3 Wünsche wären eigentlich mich an einem Körperteile Ersatzteillager bedienen zu dürfen. Also sprich, nur Gesundheit ist mir am wichtigsten.

Heiko: Als Profis seid ihr in einer Welt unterwegs, die durch viele Kriege, Flucht und sich vermehrende Autokratien geprägt ist. Bist du politisch interessiert und findest du, dass Sportler sich zu politischen Themen äußern sollen?
Cedric: Mich interessiert das nicht sonderlich. Wenn sich jemand dafür interessiert und auch in der Materie drin ist, dann soll er das tun, wenn er möchte.

Heiko: Welches Ereignis während eines Turniers, das außerhalb des Tennisplatzes geschah, ist dir in positiver Erinnerung geblieben und warum?
Cedric: Das wäre dann wohl in Nizza. Da bin ich mal gegen eine geschlossene Terassentür gelaufen als ich auf den Lucky Loser gewartet habe. Das witzige an dem Tag war, ich hatte viele Fail Videos aller Art auf Youtube geschaut. Es ist natürlich nichts Schlimmes passiert.

 

Wenn Cedric-Marcel Stebe einen Tag frei hat, keinen Gedanken an die gelbe Filzkugel verschwendend, was macht er denn da so?
Cedric: Wenn ich mal nicht spiele, schlafe ich eigentlich ganz gerne viel. Und mache auch gerne mal nichts und faulenze.

Heiko: Welche Schlagzeile sollen wir nächstes Jahr über dich lesen?
Cedric: Am liebsten wäre es mir, wenn man liest, dass ich wieder beim Davis Cup im Einsatz bin. Denn das bedeutet, ich bin wieder gut im Rennen.