Lukas Rosol: "Benny Hassan spielt kein Tennis"

Benny Hassans Manager Heiko Hampl erklärt den leicht provokanten Satz von Rosol und glaubt, dass Benny in 2020 nicht wieder in Runde zwei bei den Koblenz Open ausscheiden wird…

 

 

Wie lief das Jahr für Benny aus deiner Sicht?
Es ist ja noch nicht zu Ende für ihn. Er wird nach den letzten beiden Challengern in Ortisei und Maia wohl noch zwei Future in Doha spielen. Er hatte einen Virus und wohl auch das Pfeiffersche Drüsenfieber ohne es wirklich gemerkt zu haben. Das hat nach dem Davis Cup im September nun 8 Wochen gekostet. 100 Plätze konnte er sich in 2019 im Ranking wieder nach oben arbeiten. Er hat noch viel Luft nach oben und trotzdem wird die Luft eben auch dünner.

Er wird das Jahr wohl um Rang 300 oder etwas besser beschließen. Ist das eine gute Entwicklung?
Es gab eine wichtige Trendumkehr in Aix en Provence im Mai. Mit den Siegen auf Sand gegen Istomin, Troicki und Gimeno-Traver hat er natürlich Selbstvertrauen getankt und das auch gut in den  Folgewochen in Punkte umgemünzt. Wichtig war für Benny sich auch einzugestehen, dass er sehr gut auf Sand spielen kann. Er liebt ja eher den Hartplatz, mehr gepunktet hat er auf Sand. Wir wissen alle, dass er lieber den Gegner laufen lässt, als selbst zu laufen. Die Lebensrealität muss man eben akzeptieren und für 2020 schauen, wie man die Turnierplanung nun ausrichtet.

Wo hat er sich verbessert und wo muss er sich noch verbessern?
Sowohl als auch im Aufschlag. Die prozentuale Quote des 1. Aufschlags ist im Laufe des Jahres nach oben gegangen und man sieht, wenn er einen richtig guten Tag beim Aufschlag erwischt, läuft das restliche Spiel oft wie aus einem Guss. Aber eben auch umgekehrt. Ich denke, er braucht auf Sand auch noch ein Spiel B, das er zieht, wenn er nicht seinen Rhythmus findet. Lukas Rosol, den er dieses Jahr zweimal auf Sand geschlagen hat, hat gesagt „Der Benny spielt kein Tennis. Man weiß überhaupt nicht was bei ihm kommt“. Dieses freche und unbekümmerte Spiel frei von taktischen Vorgaben geht aber nicht immer von Zauberhand auf. In Vicenza, als er das Halbfinale erreicht hat, hat er gezeigt, dass er auch sehr solide spielen kann und bereit ist, um jeden Punkt zu fighten. Wenn er diese Balance noch häufiger findet, dann wird er auch sehr gute Ergebnisse erzielen.

Was traust du ihm für 2020 zu?
Wenn er die nächsten Schritte geht, dann ist zumindest die Qualifikation der French Open ein realistisches Ziel. Er hat aktuell nur 15 Turniere mit Punkten in der Wertung. 18 sind es maximal, da muss er, wenn er gesund bleibt, jetzt auch einige Turniere mehr spielen, auch wenn es ITF Events sind. Letztlich kommen alle Spieler nur dann richtig voran, wenn Sie Titel holen oder Finale spielen. Er war schon kurz davor in Vicenza, aber das ist der nächste Entwicklungsschritt. In Aix en Provence hat er so bockstark gespielt, dann aber im Viertelfinale gegen Vatutin hat ihn die Nervosität gepackt. Er muss sich häufiger in diese Runden vorspielen, damit es eine Normalität für ihn wird und er braucht einfach auch eine gewisse Gier. Positiv ist, dass er in den letzten 12 Turnieren 10 Mal die erste Runde gewonnen hat. Das sagt schon etwa aus.

Wie weit kommt Benny bei den Koblenz Open?
Wenn man zu Hause spielt und man ist in Form, dann ist es natürlich ein großer Vorteil. Gerade für einen Spieler wie Benny, der die Emotionen der Zuschauer liebt und sie in positive Energie umwandeln kann. Dieses Jahr im Match gegen de Bakker hat man aber auch mal gesehen, wie es ist, wenn das Selbstvertrauen und die Form nicht so da sind wie gewohnt. Ich gehe aber davon aus, dass er voll im Saft stehen wird und zum ersten Mal mindestens die dritte Runde erreicht.