45 Challenger und die ATP folgen Heiko Hampls Einladung

Heiko Hampl (rechts) übergibt den Pokal an Filip Polasek (links, aktuell ATP Doppel Nr. 10) und Jürgen Melzer, zweifacher Doppel Grand Slam Sieger (ATP Doppel 36)
Heiko Hampl (rechts) übergibt den Pokal an Filip Polasek (links, aktuell ATP Doppel Nr. 10) und Jürgen Melzer, zweifacher Doppel Grand Slam Sieger (ATP Doppel 36)

Die ATP Challenger Tour befindet sich im Wandel. Die Anforderungen steigen, die Chancen auch? Heiko Hampl hat seine Kollegen zum ersten gemeinsamen Meeting nach Frankfurt eingeladen.


Heiko, du hast am 14. Dezember die europäischen Challenger nach Frankfurt eingeladen. Was hat dich dazu bewegt?
Die Challenger sind länderübergreifend überhaupt nicht vernetzt und haben auch kein eigenes Board wie die 250er Turniere, das einem eine viel bessere Kommunikation bringt und auch etwas mehr gleiche Augenhöhe mit der ATP herstellt, auch wenn letztlich natürlich die ATP das Sagen hat.
Die ganzen Änderungen in 2019 haben nicht nur viel Unruhe gebracht, sie waren auch sehr kostspielig für die Veranstalter. Letztlich bekam man einfach eine Mail, in der die Änderungen mitgeteilt wurden. Keiner von uns wurde vorher mal gefragt, wie man dazu steht. Das darf sich in Zukunft so nicht wiederholen und deswegen habe ich diese Initiative gestartet, die auf sehr breite Zustimmung gestoßen ist.

Wie viele Turniere kommen denn?
Wir werden 45 Turniere sein, also etwas mehr als die Hälfte aller europäischen Veranstalter. Die vielen Zusagen haben mich sehr gefreut und selbst als die ATP den Zuschuss für 2020 stark erhöht hatte, kam nur eine Absage eines Turniers.

Was wollt ihr denn genau besprechen und wie hat die ATP darauf reagiert?
Wir werden uns eine Organisationsstruktur geben, eine Art Komitee bilden, dem aber nicht nur europäische Turniere angehören werden. Auch Megan Rose, die bei der USTA 20 Challenger betreut, wird dem Komitee angehören. Mir war es wichtig, dass wir hier konstruktiv und pro aktiv was auf die Beine stellen. Dann war es eine wichtige Nachricht, dass Joanna Langhorne, die ATP Challenger Direktorin, der Einladung ebenfalls gefolgt ist. Sie bringt Eric Lamquet mit und bleibt bis Sonntag, so dass alle Turniere Zeit haben werden auch persönliche Gespräche zu führen.

Was wollt ihr denn durch so ein Komitee zukünftig erreichen?
Ich habe mit Joanna vereinbart, dass sich dieses Komitee einmal im Jahr mit ihr treffen wird und darum gebeten, Entscheidungen auch mit diesem Gremium zu diskutieren. Es liegt so viel Kompetenz eben auf der Seite der Turnierveranstalter, dass es doch nicht sinnvoll sein kann, diese außen vor zu lassen.

Denkst du denn, dass Ihr auch finanziell einen Vorteil für Euch ziehen könnt durch die Zusammenarbeit?
Durch die Digitalisierung, die meines Erachtens gerade für die Challenger Tour der wichtigste Baustein in der Vermarktung und der Öffentlichkeitsarbeit zukünftig sein wird, entstehen neue Chancen. Nimmt man alle Livestream Zuschauer nur der ATP Plattform (leider gibt es keine verlässlichen Zahlen der Wettanbieter) wurden die Matches der Challenger Turniere von rund 30 Millionen Menschen gesehen. Und diese Zahlen steigen stetig. Es wäre doch ungewöhnlich, wenn sich für eine bestimmte, im Livestream gut sichtbare, Fläche auf den Courts wie z. B. die Schiedsrichterstühle kein Partner finden lässt.
Persönlich denke ich auch, dass man die Netzwerbung mit dem ATP Challenger Tour Logo frei geben sollte. Im Stream ist eh das Logo eingebunden und auf den Courts müssen wir es auch an den Stirnseiten mit einer gewissen Größe platzieren.

Eine Art globalen Sponsor zu finden, wird aber doch schwer werden oder?
Wir müssen eben erstmal anfangen. Es gibt ja keine Mitarbeiter bei der ATP, der für die Vermarktung der Challenger zuständig ist. Aber durch den Verkauf der Datenrechte wird mit uns doch ordentlich Geld verdient, da wäre es schon schön, wenn wir bei dem Versuch uns zu vermarkten, unterstützt würden.
Es gibt auch viele Sachleistungen, die wir einkaufen müssen, und für die nicht jedes Turnier einen Sponsor hat. Also kann es mehrere Lösungen bzw. Vermarktungsansätze geben. Ich glaube, dass sich jedes Turnier freuen würde, wenn sich seine Bilanz um 5.000 Euro verbessert.

 

 

Was müsst ihr selbst verbessern, damit es reizvoller wird Partner eines Turniers zu sein?
Schaut man jetzt gerade nach Ortisei, wo Lokalmatador Jannik Sinner spielt, dann macht es Spaß den Livestream anzuschauen, weil die Post abgeht. Für mich sind das A und O die Emotionen. Tennis ist gerade bei den kleineren Turnieren überhaupt nicht kinderfreundlich. Wir leben eben in einer Welt, in der eine zweijährige auch mal schreit oder weint. Wenn dann die Eltern schief angesehen werden, braucht sich doch keiner wundern, dass sich junge Familien anderen Sportevents zuwenden. Quiet please ist absolut deplaziert. Das kuriose ist doch, dass dieses Phänomen bei den Grand Slams eben genau nicht auftritt. Wenn der Jumbo Jet in New York über den Kopf brettert, oder die Franzosen die Laola durch das Stadion jagen, hörst du eh nichts mehr.
Ich habe mir Benny Hassans Ballwechsel auf Youtube, als er mit Gabashvili Katz und Maus spielt, jetzt schon 100 Mal angesehen und bekomme immer noch Gänsehaut. So mag ich den Sport und so lässt er sich auf unserem Level auch verkaufen.

Dann sind wir mal gespannt, was Ihr bei dem Meeting rauskommt und wünschen viel Erfolg!
Danke.