Julian Lenz: "Ich kann es kaum erwarten an den Start zu gehen"

Der 26-jährige Grünberger, der sein erstes Halbfinale auf der ATP Challenger Tour bei den von Peter Zimmermann gegründeten Marburg Open 2018 erreichte, legte diese Saison ordentlich nach. Wie kam es zur Leistungssteigerung?

 

Julian, Du hast diese Saison deinen Durchbruch geschafft. Seit deiner diesjährigen Teilnahme in Koblenz ging es im ATP Ranking von der 396 hoch auf die 237. Was hat diese positive Entwicklung ausgelöst?

 

2019 war durchaus ein sehr positives Jahr, was nicht von Anfang an so aussah. Ich habe gutes Tennis gespielt und mich auch selbst als deutlich besseren Spieler empfunden, allerdings hatte ich bis ca Mai/Juni gar nicht die Chancen es außerhalb der Future Turniere zu zeigen. Dafür lief das zweite Halbjahr sehr gut mit dem Sieg in Karlsruhe, drei Challenger Halbfinales und zwei Qualifikationen bei ATP Turnieren.

 

Das Potential bzw. Vermögen trägst du ja schon länger in dir. Was macht es so schwer sein Potential konstant auf den Platz zu bringen?

 Ich hatte schon länger das Gefühl, dass ich in der Weltrangliste ganz woanders stehen sollte. Mir hat aber einfach die Konstanz gefehlt, Woche für Woche eine gute Leistung abzurufen.

 Was mir enorm geholfen hat, ist das Ganze als Prozess zu sehen und weniger ergebnisorientiert. In diesem Jahr habe ich mir zusammen mit meinem Trainer Klaus Langenbach immer wieder Aufgaben gegeben und ich versuche diese während eines Turnieres bestmöglich zu umzusetzen. Und wenn ich geschafft hatte, dann hat sich das in der Regel auch in den Ergebnissen wiedergespiegelt. Auch im technischen- und vor allem im taktischen Bereich haben wir einiges verändert, was mir enorm geholfen hat.

 

Du hast bei den Hamburg European Open eine Quali WC erhalten und diese genutzt. Im Hauptfeld ging es gegen Fabio Fognini, zu diesem Zeitpunkt die Nummer 9 der Weltrangliste. Beschreib mal deine Eindrücke.

Das war ein absolutes Highlight meiner bisherigen Karriere. Noch nie zuvor habe ich in einem so großen Stadion gespielt und dann noch in Deutschland gegen einen Top 10 Spieler. Ich wusste tatsächlich gar nicht, was mich erwartet. Spielerisch habe ich direkt sehr viel riskiert, mehr als eigentlich notwendig war, weil ich dachte, dass ich sonst abgeschossen werde. Das Ganze hat sich dann eingependelt und ich konnte einen guten Rhythmus entwickeln und auch einige Vorhand Winner spielen. Das hat sich schon gut angefühlt! 

 

Mit deinem aktuellen Ranking wirst du erstmalig eine Qualifikation für ein Grand Slam spielen dürfen, nämlich bei den Australian Open. Wie groß ist die Vorfreude und was erwartest du von dir und dem Turnier?

 Ich kann mich noch daran erinnern 2011 in der Jugend dort gespielt zu haben. Australien gilt bei vielen Spielern als eines der beliebtesten Grand Slams, vor allem wegen den Zuschauern und der Athmosphäre. Deswegen kann ich es kaum erwarten an den Start zu gehen und einfach nur mein Bestes zu geben.

 

In Ismaning hattest du vor kurzem Matchball im Halbfinale und bei der körperlichen Verfassung vom Endspielteilnehmer Maxime Cressy war der erste Titel bei einem Challenger greifbar nahe. Überwog der Frust über das verpasste Finale oder doch eher die Freude mit dem Erreichen des Halbfinales die Quali der Australian Open eingetütet zu haben?

 Direkt nach dem Match war natürlich der Frust groß. Ich stand dieses Jahr in drei Halbfinales, habe aber noch nicht den Sprung ins Finale geschafft. Enger hätte es nicht sein können. Mit ein paar Tagen Abstand war ich doch recht froh über das Halbfinale und habe versucht die positiven Dinge mitzunehmen. Ich denke, dass mir so eine enge Niederlage vor allem in der Zukunft helfen wird, es vielleicht etwas anders anzugehen, wenn ich wieder in einer ähnlichen Situation stecke.

 

Und wie sehen deine Ziele für 2020 aus? Ein Titel in Koblenz gehört doch sicher dazu oder?

Ich bin zunächst einmal froh, dass ich nicht mehr über die Future Tour gehen muss, sondern direkt auf Challenger Ebene einsteigen darf. Das war eines der Ziele für 2019. Nun gilt es sich dort zu etablieren und hoffentlich auch einen Titel einzufahren; wenn es dann noch in Deutschland ist, wäre es umso schöner.

 

Was hat dir bei den Koblenz Open gefallen?

 Prinzipiell freue ich mich auf jedes Turnier was ich Heimat Nahe spielen kann. Da ist Koblenz echt ideal gelegen. Am meisten gefällt mir die Location. Es hat etwas von einem ATP Turnier, wo sich alles ums Tennis dreht.

 

Würdest du den Schritt auf die Profitour genauso wieder machen oder siehst du rückwirkend Entscheidungen, die du nun anders treffen würdest?

 Rückwirkend würde ich definitiv wieder den Schritt über das amerikanische College gehen, einfach weil es sehr gut für meine Entwicklung war. Es hat sehr viel Disziplin erfordert Uni und Tennis unter einen Hut zu bringen. Das war ein wichtiger Schritt für mich.

 

Welche Schlagzeile würdest du gerne nach den Australian Open über dich lesen?

Lenz qualifiziert sich bei den Australian Open und schlägt sich tapfer gegen Roger Federer.